Mittwoch, 29. Dezember 2010

Silvester

Es sitzt Herr Lenz oft gut und gern
Im tiefen Sessel und sieht fern.
Die Füße auf dem Schemel oben,
Lässt er sich die lieb’ Heimat loben.
Sieht sich an, wie es zugeht in der Welt,
Wer sich mit wem hat zusammengesellt.
Was die Politik zu Haus und in der Ferne
Beschließt als ob sie wär’ von anderem Sterne.

Das Jahr liegt nun in den letzten Zügen,
Will sich an vergangene anfügen.
Schon bricht der allerletzte Tag heran,
Und ein jeder will zeigen, was er kann.
Denn wenn es geht um viel laut’ Gekrache,
Böllerschüsse oder Raktensache,
Dann gibt es keine bess’re Zeit,
Als wenn Silvester steht bereit.

Der Eisschrank ist schon voll gepackt,
Mit Speien auch im Tiefkühlsack.
Mehr noch als nach Nahrungsschränken,
Steht der Sinn nach den Getränken.
Welche oft sehr süß und doch mit Feuer,
Entfesseln der Geister Ungeheuer.
Man stößt gern an und sagt `Zum Wohl“,
Mit hochprozent’gem Alkohol.

Warum ich mit Herrn Lenz begann,
Und nun zum Allgemeinen kam?
Die Frage ist gar wohl gestellt
Und wird auch gar nicht weggestellt.
Bei den Lenzens im guten Haus,
Schläft man Silvester nämlich aus,
Lässt den Zauber vorübergehen,
Will kein buntes Feuerwerk sehn.

Kein Glückwunsch dringt an jenen Ort,
Und schon gar nicht geht einer fort.
Kein Blei wird hier gegossen,
All’s bleibt fest abgeschlossen.
Es flucht der sture Hausherr nur,
Über die Nachbarn, die gar stur.
Und über die ganze dumme Welt,
Die an diesem Tag nichts zurück hält.

Neune hat es schon längst geschlagen
Und Lenz liegt in des Bettes Lagen.
Augenmaske und Ohropacks angelegt,
Hofft er, dass ihn heute gar nichts mehr erregt.
Zählt die Schäflein, ein, zwei, drei,
Schon ist es halb zehn vorbei.
So genießt er seine liebe Ruh,
Die Frau Lenz schläft ebenso im nu.

Nun dennoch ist es aber leider so,
Dass nicht jeder ihm gönnt, dass Lenz so froh.
Des Nachbars Junior, der Fritz,
Den nahm Lenz jüngst mal in den Schwitz.
Als sein Garten wurde verwüstet,
Vom Pinscher dem es hat gelüstet.
Der Frist, dem der Hund gehört,
Dem hatt’ man Rache geschwört.

Und als das liebe Tier,
In seines Hungers Gier,
Den Köder fand aus Ochsenfleisch,
Gab es bald ein großes Gekreisch.
Es befand sich an des Kläffers Rute,
`Ne sprühend-brennende Pulverlunte.
Dann zischte es und der Hund litt sehr,
Seither liebte er den Lenz nicht mehr.

Nun ist es Fritze, der am Zuge,
Trinkt nochmals aus dem Obstlerkruge.
Zielt mit seiner Rampe haargenau,
Dass der alte Lenz gehörig schau.
Kabumm! Die Rakete fliegt auf den Balkon,
Durchschläge mit Gewalt die Scheibe eben schon,
Explodiert im Ruhezimmer,
Wo’s Ehepaar Lenz schläft immer.

Im Nachtgewand, starr vor Schreck ist Herr Lenz,
Die Frau verliert das Bewusstsein zur Gänz’.
Dann wurde das Geschehene realisiert,
Am Ende man sich wieder tranquillisiert.
Fritze ist zufrieden, schenkt sich ein,
Und lässt Silvester, Silvester sein.
Nun sind die beiden endlich quitt,
Es gab von nun an nie mehr Stritt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen