Freitag, 21. September 2012

Cui bono?

Versengende Blitze und Donnergrollen
Ziehen machtvoll herauf am weiten Horizont,
Ein schwer‘ Unheil tragendes Wolkenrollen.
Von der Nebelschwaden Umhüllung nicht verschont,
Des Lebens schillernde Farben verblassen.                                              
Hoffnung auf ein sonnig‘ Morgen sich wenig lohnt.
Der Mensch wähnt sich hilflos, zutiefst verlassen,
Doch zum Geführtwerden ist die Menschheit erst reif
Wenn das Virus zuletzt erfasst die Massen.
Heut‘ erhalten wir in Bild und Ton, oftmals live,
Der ganzen Welt Botschaften übermittelt.
Angefüllt ist der Geist; nun er alles begreif‘!
Um Beachtung buhlen, meist unbekrittelt,
Stets tausenderlei Dinge fremder Selektion,
Schaffen Entropie, die gewollt vermittelt.
Das getriebene ängstliche Herz hofft auf Lohn
Von außen nur, bereit willfährig zu sein.
Seit alters her ist bekannt, man leistet gern Fron
Für der Seele Beruhigung schöner Schein.
Wer die Freiheit für solche Sicherheit gibt preis,
Dem sollen ewiglich beide ferne sein!
Der Trost in unsrer Not kommt ohne weite Reis‘.
Kenn‘ dein eigen‘ Wesen, was Wert hat für dich!
Liebe die Arbeit, den Mitmensch‘ und gute Speis‘!
Sei strahlend Licht, angenehm charakterlich!
Sei klug und frei, hilf dem Nächsten auch pro bono!
In einem Satz: Sei wahrhaft Mensch, ausschließlich!
Und frag‘ dich stets ohn‘ zu verkrampfen: `Cui bono?´

Dienstag, 14. August 2012

Nur ein Traum?

Ich träumte einstmals im maurischen Garten,
Übermannte mich doch beim freudvoll‘ Warten,
Der Gevatter Schlaft, der mich nicht wollte entbehren,
Umhüllte nebelhaft all mein bewusst‘ Begehren.
Unter Akazienhainen, die sahen Kreuz und Halbmond,
Flüsterte ins Ohr mir sanft die Gestalt; ihr Haar  war goldblond.

Ein lieblich‘ Land sah ich vor mir liegen,
Wie der Greif konnt‘ ich durch die Lüfte fliegen.
Doch die Erde zog mich gewaltig zu ihr hinab,
Zu einem schwarzen Felsen düster wie ein Grab.
Daselbst ein offen‘ Tor ich sah, aus alter Eiche,
Durchschritt es, fand mich in unbekanntem Reiche.

In einem weit‘ Gewölbe, von Fackeln erhellt,
Hat eines Geistes Stimme sich zu mir gesellt.
`Ich liebe meines Lebens qualvolle Stunden,
In der Pein hab ich manch‘ Süßes gefunden.
Wünsche ich sie auch mit aller Kraft hinfort,
So ist sie doch vielfacher Erkenntnis Ort.´

`S war meine eigne Stimme, die da sprach,
Die mit Gewalt meines Lebens Wunden aufbrach.
Angstvoll presste sich mein Herz an meine Brust,
Und fand nicht Erlösung von dem Frust.
Ich wünschte zutiefst mich fort,
Von jenem grässlichen Ort.

`Erkenn‘, des Lebens Wert und dass du sterblich bist,
Warst viel zu lange ein weidlicher Egoist!´,
Kam es erneut von der Stimme, der Gesellin.
Da erkannte ich der Worte tiefer Sinn:
Je mehr ich mich auf mich selbst verlegte,
Desto stärker sich das Ungemach regte.

Heilung findest du im Dienst an der Welt,
An den Menschen; nicht am Götzen Geld.
Was kann bestehen in der Wirklichkeit?
Ich sah wie Menschen, die galten als gescheit,
Sich in den Sumpf des Irdischen begaben,
Und darin waren bald kläglich begraben.

Einer Treppe folgte ich aufwärts in einen Hellen Saal,
Ich spürte, wie nachließ in mir der Seele Qual.
Dem Dunklen war ich nun entstiegen,
Doch das Licht mochte noch nicht obsiegen.
Die Flamme der Sünde sengte mich noch an,
Nach oben steigen wollt ich fortan.

Da verschwand all das dunkle Gemäuer,
Tageslicht erhellte das weite Land, das mir so teuer.
Nicht in dir selbst, sondern in der freien Natur,
Liegt der Seele heilsame Kur.
Verfang‘ dich nicht in der Introspektion
Tausend Dämonen plagen dich gar schon!

In ihrer Pracht und fruchtbar‘ Üppigkeit,
Erschien mir die liebliche Weiblichkeit,
Die Gestalt wie die einer flinken Gazelle,
Beine in geschmeidig vollendetem Modelle,
Brüste wie Quellen der Lebenskraft und schaute
Entzückt die lockende Michaelis-Raute.

Das Antlitz, das durch weißen Schleier war verborgen,
Trat mir entgegen nun unverhüllt, frei von allen Sorgen.
Meine Liebste war’s, die schönste aller Frauen,
Erkannte die Stimme sogleich, konnt‘ der Erscheinung trauen.
Einer Lilie gleich unter Disteln geboren,
Blüht sie prachtvoll und bleibt doch fröhlich ungeschoren.

An der Hand nehm‘ ich sie, da weurden wir empor gehoben,
In andere Sphären wollten wir erproben.
`Was ist dies Licht, was ist diese gleißende Helle?
Unwürdig steh‘n ‚ wir vor der goldnen Schwelle,
Die allein ins ewig Göttliche führt,
Und dem Heiligen allein gebührt.´

Entsprang es meinen Lippen in Verwunderung,
Fand nichts Ähnliches in der Erinnerung.
Meine Liebste lächelte mir wissend zu,
Und um uns herum herrschte erhabene Ruh‘.
Durchdrungen von innigstem Wunsche ergriff ich sie,
Sprach Worte, die vormals kamen aus meinem Munde nie:

`Dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören,
Dich mit süßesten Worten ich möchte beschwören.
Doch ist das einzig‘ Bestreben meiner nur,
Zu erfahren was deine wahre Natur.
Nichts Höheres gibt‘s im Weltgetriebe
Als das göttliche Geschenk der Liebe!´

Das Licht der lieben Sonne traf meine Augen,
Mocht‘ aus der Erscheinung mich erwecken taugen.
Ich erblickte, in liebreizendster Pracht
Meine Liebste, die bei mir hat gewacht.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Kampf am Margarethenkapf

`Was leuchtet dort so blau zwischen den hohen Tannen,
Am Schellenberg drüben? Wacht auf, ihr guten Mannen!´
Jetzt sieht man sie schon, die Kolonnen im Nofler Wald,
Durch die Tostner Au zieh‘n sie herauf; hier steh‘n sie bald!
Der General in buntem Rocke wohlan,
Führt wenigstens fünftausend Franzmänner an.

`Du, mit dem blonden Lockenhaar und der Stirn so breit!
Melde dem Nachbauer, dass die Zeit ist nun so weit!´
Dem Massena wär’ der Fall der Stadt grad recht,
Doch mit uns wider ihn, gelingt ihm das schlecht!
Der tapfre Landsmann kämpft und macht sich keine Schand’.
Alles weit‘re liegt dann in Gottes gnäd‘gner Hand.

`Seht! Der Franzos‘  marschiert ganz ungestüm,
Gebiert sich gar zu sicher und zu kühn.
Er hält uns für einfach’ Volk, für Bauersleut’,
Lasst uns sehen, dass er dies bitter bereut!´
Die ersten Schüsse fallen, das Mündungsfeuer blitzt,
`Spart Munition und seht zu, dass jede Kugel sitzt!´

Das tosende Wasser zu seiner Linken,
Gerät der Franze rein, wird er ertrinken.
Über das Felsenkapf vor ihm, muss er geh‘n,
Will er die befestigt’ Stadt dahinter sehn.
Der Weg ist schmal und wir sind obenauf.
`Schießt Männer, haltet immer munter drauf!´

 Es fällt der Mann zu meiner Rechten,
Er wird nun kein Duell mehr fechten.
Die Kugel, die mich selbst treffen sollte, die schnelle,
Steckt in der Mauer der ehrwürdigen Kapelle.
`Lasst mir  keinen Welschen durch das runde Tor                                                             
Gleich welch’ Tapferkeit er Bonaparte schwor!´

 `Seht, dort unten ins alte Bauernhaus
Tritt ein General ein; die freche Laus!
Ihr Brüder auf dem Veitskapf, lasst ihn merken
Dass unsereins versteht im Krieg das Werken!´
Das Mündungsfeuer der Kanone zeigt an den Schuss,
Mit dem dreisten General ist nun gewisslich Schluss!

Die Reihen des Feinds werden immer lichter,
Bleich sind ihre erstarrten Angstgesichter.
Doch oh weh, uns fehlt die Munition!
Kein Verzagen, das richtet sich schon!
Wenn des Menschen Material ist zu Ende,
Bringt der Natur Mittel gleichfalls die Wende.

 `Nehmt die Brocken vom Gefelse hier,
So will es der Siegmund, sagte er mir!´
Hoch damit und geworfen ins feindlich‘ Ziel!
So bewirken wir trotz der Umständ‘  noch  viel.
`Ha, so ist es recht, so lohnt sich der Schweiß,´
Dem Franzosen wird’s allemal zu heiß!

 `Hurra, es lebe Land und Kaiser!´
Der Feind dreht um, wird immer leiser.
`Seht zu, dass ihr noch so manchen erwischt,
Dass uns die Truppe nicht völlig entwischt!´
Doch zu gering ist uns’re Zahl an Leuten,
Und ohne Kugeln lässt sich nichts erbeuten.

Hat der Rauch sich danach verzogen,
Wird `s Gescheh’ne grob abgewogen.
Fiel so mancher auch bei uns und musste manches brennen,
Massena hat vielfacheren Verlust zu bekennen!
Nie, seit Menschengedenken in unsr‘m Land,
Ward je eine größere Schlacht wohl entbrannt!


Der Text erinnert an die Schlacht bei Feldkirch vom 22. und 23. März 1799, als französische Truppen nachdem sie den Rhein von der Schweiz her überquert hatten, versuchten die Stadt Feldkirch in Vorarlberg einzunehmen, was die österreichischen Linientruppen und der Landsturm erfolgreich verhindern konnten. Der Margarethenkapf bildet eine Engstelle über dem Fluss Ill, die einer der wenigen Zugänge war, um die dahinter liegende Stadt anzugreifen. Mit `Sigmund´ ist der Freiheitskämpfer Josef Sigmund Nachbauer aus Rankweil-Brederis gemeint.

 

Donnerstag, 15. März 2012

Der Streit der drei Handwerker

Es lagen im Streit, dereinst drei Handwerksleute
Coram publico, so dass es alle freute,
Wes` Handwerk wohl das ält'ste wär'.
Das Urteil, denkt man, sei nicht schwer.

Denn der erste war ein Maurermeister,
Der sogleich beschwor die Handwerksgeister.
Sicher war sich auch die Nummer zwei,
Die erwies’nermaßen Gärtner sei.

Der Dritte, das brachte so manchen zu Lachen,
War Elektriker und liebte Kabelsachen.
Und so war das vorschnell’ Urteil bei der Hand,
Am letzten man nichts Althergebrachtes fand.

So trat ein jeder in den Zeugenstand,
Nicht einer vor der strengen Pflicht sich wand.
Der Maurermeister, der keine Bezeugung scheute,
Sagte: "Die Pyramiden bauten meine Leute!"

Als dann kam der Gärtner dran.
Bedacht schlug’ alle in Bann.
"Ohne uns würd' sich niemand regen,
Pflanzten wir doch den Garten Eden!“

Als letzter, aber voll mir Würde,
Der Elektriker nahm die Hürde.
"Der Herr er sprach: `Es werde Licht!´
Doch ohne Leitung geht das nicht.

So frage ich euch ihr lieben Leut’,
Ob nicht mancher die Meinung bereut.
Denn zur Schöpfung Vorbereitung,
Legte meine Zunft die Leitung."

Groß war da die Überraschung,
Bracht'  so manchen aus der Fassung.
Nun weiß jeder, auch der im Geiste leerste,
Wer im Handwerk endlich doch ist der erste!

Mittwoch, 15. Februar 2012

Spuk in Bürstegg

Es war zu der Zeit, als Bürstegg zwischen Lech und Warth noch eine ganzjährig bewohnte Siedlung war. Da soll, so wird erzählt, sich Folgendes zugetragen haben:

Einem Bauern, der ob der schweren Arbeit, besonders im Sommer, wenn viel und beschwerlich zu Heuen war, sich nicht selten dazu hinreißen ließ seinem Argwohn Luft zu machen, geriet sein Vieh nicht mehr ganz richtig. Wenn er denn müde und geschunden nach einem langen Arbeitstag noch in den Stall musste, dann fluchte er wie ein Pirat und sakramentierte dabei auch nicht gar schlecht. Allmählich wurde das Vieh immer unruhiger. Die Euter der Kühe schwollen mächtig an, als ob sie seit Tagen nicht gemolken worden wären, obwohl kein Tröpfchen Milch in ihnen war. Die Schafe drehten sich wild im Kreis und der Hofhund getraute sich nicht mehr in den Stall, wo er doch ansonsten der mutigste aller Hunde im ganzen Dorf war. Am schlimmsten jedoch erwischte es die Schweine. Die armen Kreaturen wurden von vielen Dämonen, die in ihre Leiber hineingefahren waren, regelrecht gepackt und mussten gegen ihren Willen rückwärtsgehen. Wie sehr sie sich auch dagegen sträubten und grunzten, als ob es zur Schlachtbank ginge; es half alles nichts. Kamen sie dann an eine Wand, so liefen sie dieser mit den Hinterbeinen voran entlang nach oben bis sie sich jämmerlich überschlugen. Es war ein gar übles Schauspiel, das mit den armen Tieren aufgeführt wurde. Anfangs trieben die Dämonen nur des Nachts ihre Unwesen, doch mit der Zeit war es auch am Tag zu jeder Zeit zu erleben. Die Leute des Ortes machten bereits einen großen Bogen um den Stall, wenn sie an diesem vorbeigehen mussten. „So kann es nicht weitergehen!“, sagte der Bauer zu seiner Familie eines Abends, als alle zum Nachtmahl, einem „körigen Riebl“, beisammensaßen.

Am nächsten Morgen läutete der Landwirt beim Gemeindepfarrer an und bat ihn um Rat, denn als der klügste Mann weit und breit würde er wohl wissen, was in solchen Fällen zu tun war. Hochwürden kannte seine Schäfchen und ihm war das Fluchen und Sakramentieren des Bauern wohlbekannt. Nachdem er ihm einige eindringliche Fragen gestellt hatte, meinte der Pfarrer hier seien höhere Mächte im Spiel, solche aus der unsichtbaren Welt. Die Kirche habe für solche Fälle ausgesprochene Spezialisten zur Hand. Ein solcher wohne unten im Bregenzerwald, in Bezau. Es handle sich um den weitum bekannten Kapuzinerpater, der von allen nur „Jaköble“ genannt wurde und sich mit Dämonen, Hexen und allerlei Teufelsbrut auskenne.

So begab sich der Bauer so bald als es ihm ausging über das Auenfeld und Schröcken in den „Wald“ hinunter, um den Pater aufzusuchen. Dieser erkannte bereits an der Erscheinung des Hilfesuchenden, um was für eine Art von Mensch es sich bei ihm handelte und das geschilderte Problem schien ihn auch nicht im Geringsten zu überraschen. „Gehn wir! Ich habe meine Sachen dabei!“ Mit diesen Worten packte der Mönch eine Tasche, die er sich umhängte und dann ging es los, hinauf in die hohen Berge des Tannberggebietes. Am Hof des Bauern angekommen begab sich der Pater sogleich in den Stall, um sich einen Überblick über die dortige Dämonenlage zu verschaffen.

„Aha, die Schweine. Das wundert mich nicht! Böse Geister haben eine Vorliebe für solche. Hat unser Herr ja auch eine Legion Dämonen aus einem Leidenden ausgetrieben und ihr gestatten in die Leiber einer großen Schweineherde zu fahren, die sich dann selbstmörderisch in den See Genezareth gestürzt hatte.“ Als gutem Kirchgänger war auch dem Bauern das fünfte Kapitel des Markusevangeliums bekannt, in dem dieses erstaunliche Ereignis geschildet wird. Das „Jaköble“ öffnete nun seine Tasche, holte einige spezielle Werkzeuge hervor und begann mit seiner Arbeit. Die Stalltüre wurde geschlossen und der Kapuziner war nun mit dem Getier und den in diesem tobenden Geistern alleine. Man hörte Getrampel und Gekreisch, die Balken bogen sich und mehrmals wurden große Gegenstände gegen die Bretterwände geworfen, so dass bald eine ganze Schar an Menschen sich um den Stall versammelt hatte. Es war das Spektakel des Sommers und keiner wollte sich dieses entgehen lassen, geschah doch in einer so abgelegenen Berggegend wenig genug. Verschwitzt aber zufrieden trat nach einer ganzen Weile der Mönch aus der Türe und meinte es sei nun Schluss mit dem Spuk. Den Stalleigentümer nahm er sich nun aber unter vier Augen vor. Der Bauer beichtete reumütig seinen Hang zum bösen Fluchen und zur „Sakramentiererei“, die ja geradezu ein Einlasstor für die Geisterwelt unliebsamer Art sei, wie das „Jaköble“ streng bemerkte. Der Bauer versprach Besserung. Im Kampf mit den Dämonen habe er, der Mönch, erfahren, dass an dieser Stelle früher eine Kapelle gestanden habe, bei der eine arme Seele habe geistern müssen. Einige Steine davon seien wohl für den Bau des Stalles verwendet worden. Kein Wunder, dass es da nicht mehr viel brauchte, um alle möglichen Gestalten aus der Geisterwelt anzulocken. Daraufhin errichtete der Bauer ein Kreuz neben dem Stall und jedes Mal, wenn er nun zu seinem Vieh ginge, spräche er einen guten Gedanken bei dem Kreuz aus. Der Kapuziner blieb noch über Nacht, da die hereinbrechende Dunkelheit den Heimmarsch nicht ratsam erscheinen ließ.

Wohin habe er denn die Dämonen gebannt, wollte die Bauersfrau am nächsten Morgen wissen, als das „Jaköble“ sich auf den Weg machte. „Dorthin wo man in dieser Gegend alle Geister hinzubannen pflegt – auf die Kanisfluh hinauf!“, gab dieser zur Antwort und verschwand bald hinter einer Kehre des Weges unterhalb des mächtigen Karhorns, das in den Strahlen der hellen Morgensonne einen herrlichen Anblick bot. In dem Stall in Bürstegg hat es von da an niemals mehr gespukt.

Freitag, 30. Dezember 2011

Gedichte VIII

Irrtum
Leicht fällt es den Irrtum zu bewahren
Und zu sichern wie eine feste Burg.
Höheren Geist braucht’s zur Wahrheit,
Wenig Volk kann man so um sich scharen.
Ist doch keiner von uns wie ein Demiurg,
Und Geist fördert die Eitelkeit.
Kritisier nicht, was als gewöhnlich erkannt,
S’besteht zu der Zeit in jedem Land.

Natur und Kultur
Jean Jacques Rousseau, der war ein kluger Mann,
Der auf des Menschen Natur sich besann.
Die Kultur war ihm ein Graus,
Verdirbt uns alle, die Laus.
Gesellig sei der Mensch, sagt man heut.
Wenn man diesen Satz mal nur nicht bereut.
Es ist alles eine Frage der Weltsicht allein.
Wer wollte hier schon letztgültiger Richter sein?

Zufriedenheit
Zufriedenheit, wozu soll sie nützlich sein?
Sollen wir uns begnügen, bescheiden sein?
Nein, es ist doch gut, wie die Welt uns begießt.
Harmonie zerstört mehr, als sie fördernd ist.

New-Age-Geschwafel
Erleuchtung ist ein Irrweg, geh ihn nicht!
Am Ende bist du nichts, nicht mal ein Wicht!
Erfüll die Dinge, die du brauchst voll und ganz,
Lasse die Energie nicht verloren gehen,
Bleib hungrig, lass deine Augen alles sehen,
Glaub nicht an Karma und Seelenwanderungstanz!

Unfall
Es steht Herr Bommelmann,
An der Ampel dann.
Sieht `nen Kasperl im Mönchsgewand,
Der da in Trance ums Eck verschwand.
Krabumm, Krabumm! Was war das für ein Lärm?
Bommelmann steigt aus, so was sieht er gern.
Der Hare-Krishna liegt dort plattgefahren,
Herbeigelaufen kommen Menschenscharen.
Bommelmann, der fröhlich lacht,
Hat sich dabei bloß gedacht:
„Ja, ja, das kommt vom vielen, vielen Beten,
Rauchwerk, Gemüsekost und Geisterfeten.
Ja Gott sei Dank, ich bin nicht so,
Bin glücklich und auch lebensfroh!“

Freitag, 30. September 2011

Der Goldmacher vom Hinterwald

Zwischen den Bregzenzerwälder Gemeinden Au und Schnepfau erhebt sich einer der markantesten Berge Vorarlbergs – es ist die über 2000 Meter hohe wuchtige Kanisfluh, die den Hinteren vom Mittleren Bregenzerwald trennt und seit jeher auch ein Berg war, der die Fantasie der Menschen angeregt hat. Es begab sich nun vor vielen Jahrhunderten, dass ein „Goldmacher“ auf der Flucht in das abgelegene, damals noch schwer zugängliche Tal kam. Es heißt er sei aus Venedig gewesen, habe dort dem Dogen und dem hohen Rat Versprechungen gemacht, er könne den Niedergang der Stadt aufhalten und ihr zu neuem Reichtum verhelfen. Mit der Entdeckung Amerikas und dem Verlust der Levante, war Venedig nämlich allmählich seiner herausragenden Stellung verlustig geworden, auch der Reichtum war nicht mehr jener der alten Tage, und die aufwendig lebenden Bewohner der Lagunenstadt sehnten sich nach leicht verdientem Geld. Dieser „Goldmacher“ versprach nun für solches zu sorgen. Er ließ sich auf Kosten der Stadt eine ganze Zeit lang auf das Aufwändigste aushalten, doch als er seinen Worten Taten folgen lassen sollte, war es damit nicht weit her und er konnte gerade noch sein nacktes Leben retten, als der wilde Pöbel und an seiner Spitz die Stadtwache versuchten ihn in Bande zu legen und in die gefürchteten „Bleikammern“ zu sperren.
Dieser weit gereiste seltsam aussehende Mann, kam nun mit einem Gespann von vier Rappen und einer Equipage im Hinterwald an. Es versteht sich von selbst, dass er bald das Gespräch der einfachen und weniger einfachen Leute des Tales wurde. Die einen hielten ihn für den Leibhaftigen persönlich, andere konnten sich ob seines farbenfrohen Aussehens und seiner extravaganten Kleider vor Lachen nicht mehr halten. Am Dorfplatz zu Schoppernau gab nun dieser seltsame Mann eine „Zaubervorstellung“, er spielte seine Taschenspielertricks aus und bald glaubten die meisten, es handle sich um einen großen Magier, einen berühmten Mann aus der Ferne. Kaum einer glaubte, dass es sich dabei nur um Geschicklichkeit und gute Menschenkenntnis handeln konnte. Keinen Hehl machte er auch daraus, dass es ihm ein Leichtes sei, jedes beliebige unedle Metall in pures Gold zu verwandeln. Nachdem der Mann im besten Wirtshaus des Orts abgestiegen war und allerlei Gerüchte über seine magischen Fähigkeiten in Umlauf gebracht hatte, traf ein kaiserlicher Bote aus Bezau ein, der die Nachricht brachte ein Scharlatan habe sich in den Hinterwald begeben und werde nun von höchster Stelle gesucht. Es war eine hohe Belohnung auf den Gesuchten ausgesetzt. Die Bauern des Ortes drangen nun wütend mit Mistgabeln und Sensen bewaffnet zum Wirtshaus vor und verlangten, dass der „Goldmacher“ sich zeigte. Dieser war zuerst erschrocken, trat dann aber im ersten Stock auf den Balkon seines Zimmers und versuchte die Leute zu beruhigen. Diese waren jedoch mehr al außer sich vor Wut und verlangten, dass ihnen eine Kostprobe des „Goldmachens“ gegeben werde, sonst würden sie den „Welschen“ sogleich an die strenge Obrigkeit ausliefern. Der Scharlatan wusste nun freilich weder ein noch aus, bisher war er immer schneller als seine Verfolger gewesen und hatte die Stätte seines jeweiligen Wirkens immer noch rechtzeitig zu verlassen vermocht. Und gerade hier in dieser abgelegenen Gegend sollte man ihm nun sein Handwerk legen?! Die Bauern drangen nun in wildem Geschrei in des Mannes Stube ein und zwangen ihn mit ihnen zum Vorsteher zu kommen. Dort wurde er sogleich in den feuchten Gemeindekarzer gesperrt. Er hätte nun drei Tage Zeit, um den kleinen Raum mit Gold zu füllen, sonst würde er der strengen Justiz übergeben, hieß man ihn. Man gab ihm genügend Alteisen in seine Zelle, damit er die „Verwandlung“ vornehmen könne, wenn er denn dazu in der Lage sei.
Der erste Tag ging vorüber und dem Goldmacher wollte nichts einfallen. Des Nachts konnte er nicht schlafen, sinnierte wie wild mit sich selbst herum, doch es war zum Verrückt werden, er fand keine Lösung für seine Misere. Am zweiten Tag begann er zu beten, vielleicht würde sich der Himmel seiner erbarmen. Doch vergeblich – der Himmel wollte heute nicht auf ihn hören. In letzter Anstrengung rief er dann doch den Widersacher Gottes, den Teufel, an, ob er ihm denn nicht helfen möge. Und siehe da, kaum war er dreimal gerufen, erschien der Fürst der Hölle in schwarzem Frack, Spitzbärtchen und obligatorischem infernalen Grinsen. „Ihr habt mich gerufen?“, begann er ganz harmlos. „Ihr wisst, um was ich euch bitte“, kam die Antwort des Verzweifelten. „Gewiss, so ihr mir eure Seelen nach eurem irdischen Ableben geben wollt, so sollt ihr nun die Fähigkeit besitzen Unedles in Edles zu verwandeln“. Trotz seiner Schlechtigkeit hatte der Mann anfangs Skrupel so seine Seele für die Ewigkeit zu verkaufen, denn auch er hatte einst eine Unterweisung in der christlichen Religion erhalten, wenn sie auch schon lange in Vergessenheit geraten war. „Nun gut“, sagte er nun, „so soll es denn sein!“. Der Packt wurde schriftlich gemacht und mit Blut unterfertigt, wie es sich für einen ordentlichen Höllenbund gehört. In einer Rauchwolke verschwand der Teufel und als nun der Mann, der sich wieder gesammelt hatte, denn er war ordentlich erschrocken über die Erscheinung und wusste nicht Recht, ob er gewacht oder geträumt hatte, nahm er eine alte gusseiserne Pfanne, sprach die vom Teufel übermittelte Formel und siehe da, in purem Gold glänzte das gute Stück. Sogleich wurden alle ehernen Gegenstände der Gefängniszelle in Gold verwandelt und den erstaunten Leuten des Dorfes übergeben. Nun war der Goldmacher der Held der Gegend! Die Menschen kamen von überall her, um ihn zu sehen und sich von ihm das eine oder andere Stück vergolden zu lassen.
So vergingen die Jahre, der Goldmacher lebte in Saus und Braus und genoss gewaltiges Ansehen, wenn er auch den meisten nicht geheuer war, so wurde er doch nicht gemieden, sondern von jedem freundlich gegrüßt und oftmals eingeladen. Als der Mann alt geworden war, sein Körper nicht mehr so wollte, wie in seiner Jugend, spürte er die kalte Hand des Todes auf seiner Schulter. Erschrocken wachte er in dieser Nacht noch rechtzeitig auf, begab sich in Windeseile zum Herrn Pfarrer, der nicht schlecht schaute, diesen „Welschen“ vor seinem Haus zu finden und das mitten in der Nacht! Der Pfarrer hatte das Volk immer vor dem Goldmacher gewarnt, wenn auch vergeblich, es ginge nicht mit rechten Dingen zu und des Himmels Segen läge nicht auf diesem. Kreidebleich bat der Goldmacher um die Beichte. Der Gottesmann hörte sich nun die ganze Lebensgeschichte und kam so hinter das Geheimnis des fremden Mannes. Nun, er erteilte ihm die Absolution, meinte aber dies reiche nicht, der Bund mit dem Satan sei gültig. Es gäbe jedoch eine Möglichkeit, dass er die Ewigkeit zwar nicht im Himmel, so doch auch nicht in der Hölle verbringen müsse. Begierig ließ sich der Goldmacher von Hochwürden unterweisen, dass wenn er viele Messen lesen ließe, das Goldmachen ließe, alles, was er besaß den Armen geben würde und dazu seinen Kopf vor dem Schlafengehen mit Weihwasser wüsche, dann könne er der Gnade teilhaftig werden als Geist die Ewigkeit zu verbringen, oben auf der Kanisfluh, wo man im Wald die Geister hin zu bannen pflegte, wie im Walgau in den Lünersee.
Dies alles tat nun der Goldmacher, er wurde der beste Christenmensch, den man sich nur vorstellen konnte, besuchte eifrig die Messe, gab alles den Armen und wusch sich den Kopf des Abends mit Weihwasser. Als nun in einer dunklen Nacht bei Blitz und Donner der Gevatter Tod an sein Bett kam, um sein irdisches Dasein zu beenden, hauchte der Goldmacher seinen Geist aus. Sogleich wollten zwei Gehilfen des Satans diesen mit sich in die Unterwelt nehmen, doch zwei Englein bewachten ihn und geleiteten ihn sicher auf die hohe Kahnisfluh, wo es ohnehin schon wild um diese Zeit zuging, da allerlei Geistervolk, seit Urzeiten auf diese gebannt, bereits ihren Spuk dort trieben.
Noch lange gingen im ganzen Hinterwald Anekdoten des „Goldmachers aus Venedig“ um, der nun als Geist auf der Kanisfluh sein Dasein fristet, bis er vielleicht doch noch eines Tages seine Erlösung findet.